Geschlechterungleichheit in Sachsen: Armutslöhne sind weiblich

Auswertung zweier schriftlicher Fragen (Nr. 371 und 372)

Zusammenfassung

Die Antworten der Bundesregierung auf Anfragen der sächsischen Bundestagsabgeordneten Zada Salihović zeigen deutlich, dass Frauen in Sachsen am Arbeitsmarkt noch immer schlechter gestellt sind als Männer. Das betrifft nicht nur die Löhne, sondern auch die Beschäftigungsformen.

Einkommensunterschiede nach Berufsgruppen:

In den fünf am schlechtesten bezahlten Berufen in Sachsen arbeiten mit großem Abstand erheblich mehr Frauen als Männer. Im Lebensmitteleinzelhandel, in der Floristik und in der Körperpflege sind jeweils mehr als 85 Prozent aller Beschäftigten Frauen. Der Durchschnittverdienst in diesen Branchen liegt gerade einmal bei etwas über 2000 Euro brutto im Monat.In den am höchsten entlohnten Berufen sind Frauen dagegen deutlich unterrepräsentiert - mit der Ausnahme von Ärztinnen und Lehrkräften. Gerade einmal 6,3 Prozent der Flugzeugpilot*innen sind weiblich, bei Abgeordneten nur 34,1 Prozent und bei Geschäftsführer*innen und Vorständen nur 25,1 Prozent.In diesen Berufsgruppen werden teils Bruttolöhne von über 7000 Euro im Monat gezahlt.

Teilzeitbeschäftigung nach Berufsgruppen:

Zudem sind Frauen besonders häufig in Berufen mit hoher Teilzeitquote tätig - 97,4 Prozent in der Floristik, wo nur 38,3 Prozent der Beschäftigten Vollzeit arbeiten. Auch bei Arzt- und Praxishilfen, im Drogerieeinzelhandel, in der Hauswirtschaft und im Bereich Körperpflege mit einem Frauenanteil von jeweils über 90 Prozent wird weitgehend in Teilzeit gearbeitet. Folglich sinken Verdienste von Frauen hier weiter und ebenso ihre späteren Renten.In den männerdominierten Berufsgruppen wie im Sanitär- und Heizungshandwerk, der Bodenverlegung oder im Hoch- bzw. Tiefbau (Männeranteil jeweils über 96 Prozent), liegen die Vollzeitquoten im Regelfall über 90 Prozent. 

O-Ton Zada Salihović (MdB, Die Linke)

„Von Gleichstellung am Arbeitsmarkt kann in Sachsen keine Rede sein. Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in schlecht bezahlten Berufen, im Einzelhandel, in der Pflege oder in der Floristik. Gleichzeitig sind sie in den gut bezahlten Positionen massiv unterrepräsentiert. Dass sich daran 2026 noch immer kaum etwas geändert hat, ist schlicht peinlich.

Das Problem geht aber tiefer. In vielen dieser Berufe ist Teilzeit die Regel. Das drückt Einkommen und führt direkt in Altersarmut. Während in männerdominierten Branchen Vollzeit und gute Löhne Standard sind, landen Frauen viel zu oft in unsicheren Jobs.

Das ist kein Zufall, sondern eine politische Entscheidung. Wer Gleichstellung ernst meint, muss soziale Berufe endlich aufwerten, Tarifbindung stärken und Arbeitszeiten schaffen, die zum Leben passen. Alles andere ist leeres Gerede.“

O-Ton Anja Eichhorn (Vorsitzende Die Linke Sachsen)

„Die aktuelle Bundesregierung ist beim Thema Gleichstellung ein absoluter Totalausfall. Unser Bundeskanzler hat offensichtlich keine Ahnung, wie die Realität aussieht. Während unzählige Frauen in Teilzeit arbeiten müssen, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter grottig bleibt, faselt er von »Lifestyle-Teilzeit«. Wer mehr Menschen in Vollzeitbeschäftigung bringen möchte, schafft das nicht durch Drohungen, sondern mit guten Rahmenbedingungen, sicheren Arbeitsplätzen und guten Löhnen mit Tarifbindung.

Und auch die sächsische Landesregierung bekleckert sich nicht mit Ruhm. Sie verpasst es regelmäßig, die Stellschrauben, die sie hat, auch anzuziehen. Gleichzeitig droht sie Gleichstellungsprojekten mit der Kürzungs-Axt. Wenn wir das Grundgesetz und damit die Gleichstellung von Mann und Frau ernst nehmen, braucht es mehr und nicht weniger.“