Ausländische Beschäftigte halten den Laden am Laufen

Pressemitteilung

Ausländische Beschäftigte halten den Laden am Laufen

Seit der deutschen Einheit hat sich der Arbeitsmarkt in Sachsen tiefgreifend gewandelt. Trotz schwieriger struktureller Ausgangsbedingungen konnten bis heute beachtliche Fortschritte erzielt werden. Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen. Der demografische Wandel, fortbestehende Abwanderungstendenzen sowie die umfassende Transformation der Wirtschaft prägen die Entwicklung. In diesem Zusammenhang kommt der Gewinnung und Sicherung von Fachkräften eine Schlüsselrolle zu. Die Antworten der Bundesregierung auf unsere Anfragen zeigen deutlich: Ohne ausländische Beschäftigte wäre die Situation am Arbeitsmarkt schon heute deutlich dramatischer als ohnehin. Von insgesamt rund 154.000 ausländischen, sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sachsen, arbeiten knapp 28.000 in Engpassberufen und damit fast jede*r Fünfte (18,2%).

In welchen Bereichen Fachkräfte fehlen:

Der größte Mangel an Fachkräften herrscht in Sachsen laut Bundesagentur für Arbeit u.a. in den Berufsfeldern Landwirtschaft, Gastgewerbe, Gesundheitsberufen wie Alten- und Krankenpflege, sowie in Handwerksberufen (insbesondere Bauelektrik, Sanitär/Heizung/Klima). Besonders angespannt war die Situation in den ländlichen Regionen, v.a. in den Arbeitsagenturbezirken Riesa und Pirna. Dort gab es für 58,7 beziehungsweise 54,9 Prozent aller offenen Stellen keine passend qualifizierten Arbeitslosen.

Höchstwerte im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Besonders im ländlichen Raum, außerhalb der urbanen Zentren, sind ausländische Beschäftigte unverzichtbar - gerade dort, wo der Mangel an Fachkräften am größten und die Nachwuchsgewinnung am schwierigsten ist.

In der Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge ist inzwischen mehr als jede vierte ausländische Arbeitskraft in einem Engpassberuf beschäftigt. Mit 26,5 Prozent weist der Landkreis den höchsten Anteil aller sächsischen Landkreise und kreisfreien Städte auf, gefolgt vom Landkreis Leipzig (23,0%), Mittelsachsen (21,5%), Nordsachsen (21,3%) und dem Erzgebirgskreis (21,2%).
Zum Vergleich: In den kreisfreien Städten liegen die Werte mit Ausnahme der Stadt Chemnitz unterhalb des Landesdurchschnitts.
(Leipzig, Stadt: 15,0%; Dresden, Stadt: 15,8%; Chemnitz, Stadt: 18,6%)

Blick in die Zukunft

Aktuelle Zahlen zur Entwicklung des Arbeitskräftepotenzials in Sachsen liegen laut Bundesregierung noch nicht vor. Die Bundesregierung merkt aber an, dass „die aktuelle Mittelfristprognose bis zum Jahr 2029 für den gesamten deutschen Arbeitsmarkt zeigt, dass der zusätzliche Bedarf zur Besetzung von Arbeitsplätzen (4,81 Mio.) deutlich den Zugang an Personen übersteigt, die aus dem Bildungssystem oder durch Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt kommen (4,37 Mio.)“. Es ist also davon auszugehen, dass eine Steigerung der internationalen Zuwanderung nach Sachsen für den Arbeitsmarkt unverzichtbar sein wird. 
„Die Bundesregierung liefert den Beleg dafür, wie unverzichtbar ausländische Beschäftigte inzwischen für unseren Arbeitsmarkt sind. Gerade in meinem Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge arbeitet mehr als jede vierte internationale Fachkraft in einem Engpassberuf. So hoch ist der Anteil nirgendwo sonst in Sachsen. Wer heute über Migration spricht, muss auch darüber sprechen, dass Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Handwerksbetriebe oder die Industrie vielerorts ohne diese Beschäftigten längst nicht mehr funktionieren würden. Statt rassistischer Hetze und Sozialkürzungen braucht es endlich gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und eine echte Willkommenskultur. Das bedeutet, Menschen mit Migrationsgeschichte in allen Lebensbereichen zu unterstützen und sie nicht auf ihren ökonomischen Nutzen zu reduzieren.“ - Zada Salihović (MdB, Die Linke)

„Die Zahlen der Bundesregierung entlarven die ganze rechte Hetze. In Sachsen arbeiten rund 28.000 ausländische Beschäftigte in Engpassberufen – in unserem Landkreis sogar fast 27 Prozent der ausländischen Beschäftigten.
Wer gegen Migration hetzt, hetzt gegen die Menschen, die unsere Pflege, unsere Betriebe und unsere Versorgung am Laufen halten.
Das Problem ist nicht Migration – die Probleme hier heißen Rassismus, Lohndumping, kaputte Infrastruktur und eine Politik, die Menschen arbeiten lässt, aber ihnen Würde, Sicherheit und Teilhabe verweigert. Wer Fachkräfte will, muss endlich liefern: gute Löhne, sicheren Aufenthalt, bezahlbare Wohnungen und klare Kante gegen rechte Hetze.“ - Lisa Thea Steiner (Kreisvorsitzende Die Linke SOE)

Austausch mit den Arbeitsmarktmentoren der AWO

Bereits Ende April haben wir uns mit den Arbeitsmarktmentoren in Pirna getroffen. Die Beratungsstelle unterstützt Migrant*innen dabei, in Ausbildung oder sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu kommen. Gleichzeitig unterstützen sie Arbeitgeber bei der Suche nach geeigneten Fachkräften. Träger des Projekts in Pirna ist die AWO Sonnenstein.
Der Austausch war uns wichtig, da sie als Bindeglied zwischen Migrant*innen, beteiligten Behörden, Bildungsträgern, Arbeitsagenturen, Jobcentern und Arbeitgebern agieren und so einen guten Einblick aus der Praxis in aktuelle Herausforderungen bei der Integration in den Arbeitsmarkt bieten können.
So berichteten sie u.a. von Problemen bei der Anerkennung ausländischer Schulzeugnisse und Qualifikationen, Rassismus bei Arbeitgebern, unsinnigen Wohnsitzauflagen, Unklarheiten bei der Krankenversicherung und fehlenden Sprachkursen.